Sonntag, 30. Oktober 2011

Panama - San Blas - Cartagena (Kolumbien) - Tag 1



Panama City - Cartagena


Das Problem, wenn man von Panama nach Kolumbien reisen will, ist, dass es zwischen diesen Laendern keine fahrbare Landverbindung gibt. Zwischen Panama und Kolumbien gibt es keine Strasse. Hier liegt der Darien-Dschungel, ein Gebiet, in dem zusaetzlich Guerillas und Drogenhaendler ihr Unwesen treiben. Sich hier durchzuschlagen ist eher was fuer Draufgaenger. Der gaengigen Routen fuer Touristen sind daher zwei andere: Die eine Moeglichkeit ist ein Flug von Panama City nach Cartagena (ca. 350 US-$). Die andere Moeglichkeit fuehrt ueber das Wasser, vorbei an den wunderschoenen San Blas Inseln. Es gibt zahlreiche Segelboote, die Passagen anbieten. Die Preise dafuer sind leider in den letzten Jahren stark gestiegen und liegen nun bei 400 bis 550 US-$ fuer den 5-taegigen Trip. Wir entscheiden uns fuer diese Variante, weil wir etwas vom Land sehen moechten. Fliegen ist nur unwesentlich guenstiger, dauert dafuer nur eine Stunde und man verpasst die Inseln.

Wie die meisten Backpacker-Hotels, so vermittelt auch unseres (Mamallena) Segeltrips nach Cartagena. Wir buchen den Toern auf der Windsurfer mit dem kolumbianischen Kapitaen Tilson. Der ist uebrigens, wie sich spaeter herausstellt, erst so alt wie Malte, segelt diese Strecke aber schon seit zehn Jahren, hat also einige Erfahrung. Was er noch hat, ist eine Freundin: Sie heisst Loreley (ich denke mal, sie schreibt sich so), ist Amerikanerin und hier irgendwann beim Reisen haengengeblieben (wie so viele). Auf er Suche nach einem Job heuert sie bei Tilson an und nun sind die beiden ein Paar und sie ist sozusagen der Erste Offizier an Bord (aber auch Animateurin, Putzfrau und Koechin).

Doch zurueck zur Chronologie: Wir werden am Sonntag morgen um 5:30 Uhr von einem Jeep abgeholt, der die gesamte Passagierbesatzung zum Ablegepunkt bringen wird. Wir sind acht Passagiere, das ist die Kapazitaet, die ins Boot passt. Unsere Mannschaft ist international: Joan und John aus Frankreich, Brian aus Kanada, Michael aus Israel, Pim aus den Niederlanden und wir drei Deutschen machen den Jeep voll. Und wenn ich voll sage, meine ich WIRKLICH voll.

morgens um halb sechs
Wir wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was auf uns zukommen wird, bevor wir das Meer erreichen. 50 Kilometer hinter Panama City beginnt scheinbar schon das Niemandsland. Die Strasse verengt sich, wird ziemlich schlecht, plattgefahrene Geier stinken in der Hitze. Dann eine T-Kreuzung und der Jeep biegt links ab. Was nun folgt, ist treffender als Achterbahn zu beschreiben, denn als Strasse. Ausser Jeeps und Gelaendemotorraedern kann hier nix mehr fahren und faehrt auch nicht - obwohl die Strasse sogar geteert ist, und das ist der Witz. Diesen Camino hat man ohne Sinn und Sachverstand in Sachen Strassenbau einfach in die Landschaft gelegt, ohne irgendwelche Begradigungen vorzunehmen. Und da die Landschaft unglaublich huegelig ist, gilt das auch fuer die Strasse. In wahnwitzigen Kurven bei gleichzeitig bis zu 35% Gefaelle und dann wieder Steigung geht's hier durch das Gelaende. Mal sind wir auf 1.000 Metern Hoehe, dann ploetzlich wieder auf fast 0 und umgekehrt. So geht es einige Stunden brachial auf und ab. Der Jeep keucht im ersten Gang bergauf (3km/h) und im ersten auch wieder bergab (Motorbremse, vielleicht 10km/h). Dazwischen, kurz vor der Talmulde nimmt der Fahrer den Gang raus, der Wagen beschleunigt in Sekunden auf vielleicht 80km/h, dann knallt er den dritten Gang rein und gibt Vollgas - Schwung fuer den naechsten Anstieg. In der Talmulde wird man mit doppeltem Koerpergewicht in die Sitze gedrueckt. Meistens geht es dabei gleichzeitig noch halsbrecherisch um eine Kurve.

An der Strasse sind Kontrollposten. Wir haben das (soweit ich das richtig verstanden haben) relativ unabhaengige Territorium der Kuna erreicht. Diese Strasse kostet Maut. Wahrscheinlich sind die Einheimischen auch gleichzeitig die Baumeister gewesen. Waren die Kontrollposten mit den Maschinenpistolen im Rest des Landes noch militaerisch gekleidet (also offiziell aussehend), so tragen sie nun zivil. Egal, wir sind ja nicht die ersten, die diesen Trip machen und es kommen uns auch einige Jeeps mit Travelern der Gegenrichtung entgegen, solche, die gerade aus Cartagena in Panama angelandet sind. Wir schwitzen trotzdem was das Zeug haelt, und das nicht nur aufgrund der Hitze im Wagen und im Dschungel. 

Malte hatte Fotos und Videos von der Fahrt gemacht, leider wurde ihm - dies ein kleiner Vorgriff auf die Geschehnisse in Cartagena - ebendort die Kamera entwendet, weshalb wir nun auf farbige Belege fuer meine Schilderungen verzichten muessen. Uebrigens: Bei der Kartenerstellung mit Google-Maps wurde es offensichtlich, dass diese Strasse eigentlich gar nicht existiert. Jedenfalls nicht offiziell und in den gaengigen Karten.

Wir sind dann schliesslich angekommen. Ein Matschweg zweigte ab, und nach ein paar hundert Metern befanden wir uns an einer Lagune, von wo die Boote zu den San Blas - Inseln ablegten. Dabei handelt es sich hier noch nicht um die Segelboote, die ankern draussen vor den Inseln, sondern nur um die aussenbordbemotorten Dingis, die Zubringerschuesseln.

Ablegestelle
Hier gab es auch eine Toilette, die natuerlich von allen benutzt wurde. Sie kostete 25 Cent. Ich nahm mit einem pfahlbewurzelten Baum vorlieb, da die Toilette gerade in Benutzung war. Der Baum stand weit abseits am Waldrand. Als ich wiederkam, wollte ein alter Mann von mir einen Dollar haben. Es sei bei Strafe verboten, versicherte er mir mit ernster Miene, gegen einen Baum zu pinkeln. Ich zeigte ihm einen Vogel und teilte ihm lachend mit, dass er von mir nicht einen Cent sehen wuerde. Natuerlich zahle ich gerne den Toilettenpreis von 25 Cent, meinetwegen auch mehr - vielleicht ist die "Pflege" der "Toilettenanlagen" ja die einzige Einnahmequelle des Mannes. Aber wenn nach jeder Kleinigkeit gesucht wird, um von Touristen Geld zu fordern, dann erinnert mich das an die Methoden vieler Mittel- und Suedamerikanischer Polizeibeamten, die Verkehrssuenden frei erfinden, wenn sich Autos mit auslaendischen Kennzeichen naehern.

Wir stiegen in das Boot, das uns zu "unserer" Segelyacht bringen wuerde. Der Bootsfuehrer lachte noch lange schallend ueber den Toilettenmann, der uns tatsaechlich ein Stueck auf dem Land verfolgte, um den Strafdollar fuers Falschpinkeln einzufordern.

rein ins Boot






Unser Boot lag reltiv weit draussen vor einer kleinen Insel mit eigener Landebahn.

da liegt sie - The Windsurfer


Es ist Mittag, als wir unser Schiff erreichen. Zuerst verstauen wir unsere Siebensachen, dann werden die Kabinen aufgeteilt. Hier ein paar Bilder, damit ihr eine Vorstellung davon bekommt, wo wir 5 Tage und Naechte gewohnt haben:

Ollas und meine Kabine

Kombuese (links ausser Sicht), Navigationsraum, Mittelkabine und Wohnzimmer bei schlechtem Wetter

in der Frontkabine pennen Malte und Brian

Ollas und mein Badezimmer

Olla und Brian unter Deck

am Heck Haengematte, Fruchtdepot und Solarpanels (oben)

Michael, Malte und John an Deck

Blick nach Backbord mit Malte, Joan (oder Diane?) und Michael

unser Kayak und die Insel, von der wir starten
Nachdem alles erledigt ist, haben wir Zeit, zu schwimmen und die Insel zu erkunden (10 Minuten fuer einen Rundgang). Danach gibt es auf der Insel ein leckeres Mittagessen (im Preis fuer den Trip enthalten). Wir haben die Wahl zwischen Haehnchen, Fisch und Octopus. Olla und ich nehmen den Fisch, Malte versucht den Octopus. Beides ist ausgezeichnet. Danach verlassen wir die Insel und legen ab zu einem anderen netten Plaetzchen.



Dort angekommen geht es auf eine der beiden wunderschoenen Inseln, zwischen denen wir, geschuetzt durch Riffe an beiden Seiten, ankern. Wir umrunden zu Fuss die Insel, freuen uns ueber die absolute Traumprospektkaribikidylle (aergern uns nur ueber den vielen Plastikmuell, der hier wie ueberall anders auch an den Straenden angespuelt wird) und geniessen leckeres gegrilltes Haehnchen bei den Huetten auf der Insel. Ein perfekter Tag neigt sich dem Ende zu. Wir lassen ihn bei Rum+Cola auf Deck ausklingen. Dabei koennen wir zahlreiche Rochen bis zu einer Spannweite von einem Meter beobachten, die majestaetisch und elegant immer wieder um unser Boot kreisen und im Wasser unheimlich zu schweben scheinen.

Lecker! Frisches Grillhaehnchen mit fantastischer BBQ-Sauce (links im Bild First Officer Laurel und Kaept'n Tilson)

ein Rochen interessiert sich fuer unser Beiboot


sie scheinen auf oder ueber dem Wasser zu schweben



Kommentare:

  1. Ich bin gespannt wie es weiter geht...so eine Segeltour würde ich auch gerne machen.

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  2. hallo Ihr drei Globetrotter, Oma und ich haben gerade ausführlich Euren blog studiert und begleiten Euch weiter mit unseren Gedanken. Viel Spaß und gute Reise weiterhin. Danke Adrian für die Assistenz über David. Eigentlich toll was die Technik so alles erfmöglicht. Liebe Grüße aus dem nun kalten Deutschland
    Oma Erika und Opa Pauli

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  3. habe den tag nochmal vervollstaendigt. liebe gruesse an alle zu hause!

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